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Rundbrief Januar 2022
Liebe queerAlternde
Trotz Pandemie gelang es uns im vergangenen Jahr, für unsere Mitglieder samt Freund:innen rund 25 Veranstaltungen durchzuführen, an die wir uns gerne erinnern. Dazu kommt der monatliche Stammtisch, den wir dreimal online mit themenbezogenen Gesprächen machten und ab September wieder vor Ort im Restaurant Pery. Zudem marschierte eine Gruppe queerAlternder im Zurich-Pride-Umzug mit.
 
Darüber hinaus präsentierten wir unseren Verein an mehreren Institutionen wie Hochschulen oder Firmen, führten Seminare durch, nahmen an Workshops teil – und wie jedes Jahr trafen wir zahlreiche Menschen, um unseren Verein weiterzubringen. Es würde den Rahmen sprengen, über alle Aktivitäten des Vorstands plus der vielen Mitglieder, die sich aktiv einbringen, zu berichten. Mehr dann im Jahresbericht vor der GV vom 5. April.
 
Zurück in die Gegenwart: Leider mussten wir unsere geplanten Januarveranstaltungen absagen. Ausgenommen ist der queerSalon vom 29. Januar mit Udo Rauchfleisch. Die aktuelle Omikron-Welle liess uns vorsichtig werden. Auch den Stammtisch streichen wir bis auf weiteres.
 
Wir wünschen euch und uns allen bessere Tage! Kommt gut und gesund durch diesen Winter.
 
Herzliche Grüsse
Der queerAltern-Vorstand mit Patrik Attenhofer, Barbara Bosshard, Caroline Bisang, Gioia Hofmann, Willi Leutenegger und Christian Wapp

QUEERALTERN DEMNÄCHST
Einsatz dort, wo keine Hoffnung besteht: Udo Rauchfleisch im Irak.
queerSalon mit Udo Rauchfleisch
Im vierten queerSalon vom 29. Januar ist queerAltern-Miglied Udo Rauchfleisch Gast bei queerAltern-Präsidentin Barbara Bosshard. Der renommierte Psychotherapeut und Autor erzählt von seinem Besuch zweier Flüchtlingslager im Norden von Irak. Um 16 Uhr in der Kulturbar Das Gleis an der Zollstrasse 121 in 8005 Zürich. Keine Anmeldung notwendig. 2G und Maskentragen sind obligatorisch. Siehe auch: Interview zum Thema mit Udo Rauchfleisch im «Display».
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Kundige Führung: Kunsthistoriker David Streiff.
queerAltern-Tagesausflug zu der «Klarwelt der Seligen»
Am 6. Mai organisieren wir einen Tagesausflug nach Ascona auf den Monte Verità. Wir besichtigen – geführt von qA-Mitglied David Streiff – das Panorama-Rundbild «Die Klarwelt der Seligen» des schwulen Künstlers und Religionsbegründers Elinar von Kupffer (1872–1942). David Streiff, der Kunsthistoriker und ehemalige Direktor des Bundesamtes für Kultur, hat vor gut zehn Jahren einen Verein gegründet, um dieses historisch bedeutende Werk zu retten und zu restaurieren.
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Save the Date: Ralf König kommt wieder!
Die letzte Leseshow von Comiczeichner und -autor Ralf König mussten wir im Oktober 2020 kurzfristig absagen. Wir freuen uns, endlich einen neuen Termin gefunden zu haben. Er wird am Dienstag, 31. Mai, im Kosmos mit seinem Jubiläumsprogramm «40 Jahre SchwulComix» auftreten. Mehr Informationen folgen.
SZENE
Wahlen in Zürich und Winterthur
Vor jeden Wahlen machen die HAZ (Homosexuelle Arbeitsgruppen Zürich) eine Umfrage unter den Kandidat:innen, die sich für ein Amt bewerben – im aktuellen Fall für den Stadtrat oder den Gemeinderat von Zürich. Ziel ist es herauszufinden, wie offen die Kandidat:innen für queere Themen sind. Allerdings, teilen die HAZ mit, könnten sie aus technischen Gründen ihre bewährte Plattform dieses Jahr nicht zur Verfügung stellen. Die Wahlen finden am 13. Februar statt. Beitrag im HAZ-Magazin.
 
Da wir keinen Überblick über die Kanditat:innen haben, die Mitglieder von queerAltern sind, verzichtet unser Verein auf Empfehlungen.
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Registrierung von sexuellen und queeren Belästigungen
Im Meldetool «Zürich schaut hin» können niederschwellige sowie LGBTIQ+-feindliche Belästigungen gemeldet werden. Nach rund acht Monaten berichtet die Stadt Zürich, dass seit Start des Tools insgesamt 890 Fälle gemeldet wurden. Diese werden nun ausgewertet.
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Vorstand der Khur Pride: Pascal Pajic, Präsidium, Fabia Guntli, Aktuariat, Nic Senften, Finanzen (Illustration: Svenja Senften).
Erster Pride-Umzug in Chur
Premiere für Chur: Am 4. Juni marschieren zum ersten Mal queere Menschen durch die Bündner Kantonshauptstadt – organisiert vom Verein Khur Pride für queere Kultur. Eigentlich fand die erste Khur Pride bereits im vergangenen Jahr statt, jedoch «nur» mit verschiedenen Anlässen. Nun soll dieses Jahr laut Präsident Pascal Pajic auch ein Umzug dazukommen. Zurzeit ruft der Verein zur Mitgestaltung auf.
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Verlorene Liebe: Samuel Fried (Piano, l.) und Julian Schmidlin (Schauspiel, Gesang).
«Spoken Jazz-Abend» im Sogar
Martin Frank (geb. 1950) wurde anno 1979 mit dem in Berndeutsch geschriebenen Bestseller «Dr Fögi isch e Souhung» bekannt. Im letzten Jahr veröffentlichte er das Buch «Venedig 1911», in dem er sich damit beschäftigt, was aus Tazio der Thomas-Mann-Novelle «Tod-in-Venedig» hätte werden können. Und im Februar zeigt das Zürcher Kleintheater Sogar das Stück «E schöne Buep seit Adjö»: Ein Monolog mit Gesang und Piano eines Jugendlichen, der den Tod seines Geliebten betrauert. «Sogar» beschreibt das Stück als «Spoken Jazz-Abend».
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Moderations-Duo: Chaim Dülberg und Ilayda Zeyrek.
Die Freuden des Queerseins: «Queertopia»
Radio 3Fach nennt sich das führende, nicht kommerzorientierte Kultur- und Ausbildungsradio für alle jungen und junggebliebenen Menschen der Deutschschweiz. Mit «Queertopia» wendet sich 3Fach nun speziell an queere Menschen und alle, die sich dafür interessieren. Die neue Sendung will jeden Donnerstag um 22 Uhr eine Stunde «zeigen, was WIRKLICH in der queeren Welt läuft.» Dabei sollen nur queere Künstler:innen zu Wort kommen und Musik nur von queeren Bands und Musiker:innen gespielt werden. Zudem stellt «Queertopia» jeden Donnerstag eine neue Playlist auf Spotify.
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Ein paar der 125 Gesichter von #OutInChurch: Ausschnitt aus der Webseite.
Verachtung im Namen Gottes
Die Geschichte der Diskriminierung von queeren Menschen durch Religionen ist Jahrtausende alt – je nach Religion, Epoche und Land in verschieden perfiden Ausprägungen. Dass diese Geschichte noch nicht zu Ende ist, darauf machen nun in Deutschland 125 Mitarbeitende der Katholischen Kirche aufmerksam: ein Manifest der Verzweiflung. Auf der Webseite #OutInChurch – für eine Kirche ohne Angst stellen sich die Manifest-Teilnehmer:innen vor. Nicht alle mit Bild und Namen. In einem Buch und einem Dokfilm erzählen sie ihre erschütternden Geschichten. Der Film wurde am 24. Januar zur besten Sendezeit ausgestrahlt und kann in der ARD-Mediathek abgerufen werden. Die Interviews im Einzelnen hier. Artikel dazu hier und hier. Während für den Film nur ein Bischof Stellung nehmen wollte, gibt es jetzt auch positive Reaktionen der Katholischen Kirche: hier und hier.
ARD-Mediathek
AUFRUF
Studie über männliche Sexualität
Das psychotherapeutische Zentrum der Universität Zürich will mehr wissen über die männliche Sexualität. Gemäss den Studienleiterinnen Katharina Weitkamp und Edith Häsler sei das ein Themengebiet, das immer noch zu wenig erforscht sei. Die meisten Studien würden auf das Nichtfunktionieren und auf das Nichtvorhandenseins abzielen. Gefragt sind deutschsprechende Männer ab 18 Jahren, die sich als Mann definieren oder sich einem nonbinären Geschlecht mit männlich definiertem Geschlecht bei Geburt zuordnen – und sexuell aktiv sind. Das Ausfüllen des Fragebogens dauert ca. 30 Minuten und sollte bis Ende Januar ausgefüllt werden.
Fragebogen
Podium über Bodypositivity
Für ein Podiumsgespräch über Bodypositivity sucht Carla Marfurt einen älteren queeren Menschen, der bereit ist, über Körperbilder zu sprechen – und das Verhältnis, das er zu seinem eigenen Körper hat. Dabei geht es darum, falsch gelernte, sexistische, binär eingeteilte Körperbilder zu hinterfragen und aktiv zu entfernen. Fürs Podium bereits zugesagt haben eine Drag Queen, eine «transaktivistische» Person sowie eine Inhaberin eines Sexshops. Moderieren wird die queerfeministische Aktivistin Jenn(ifer) Unfug. Das Podium findet im Rahmen des queeren Filmfestivals Pink Apple (26.4.–8.5.2022) statt.
Kontakt
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Moderation: Jenn(ifer) Unfug.
Die Freuden der Liebe: Etwa so stellt sich die Regisseurin ihre Filmprotagonist:innen vor.
Casting für Dokfilm über die Lust
Für ihren deutsch-schweizerischen Dokumentarfilm «Die revolutionäre Kraft der Lust an sich» sucht die Regisseurin Kerstin Polte queere Menschen, die bereit sind, in einem Workshop gemeinsam mit andern Queers neue Zugänge zu Lust, Körper und (Selbst-)Liebe zu erkunden. Dabei will sich die Regisseurin mit ihren Protagonist:innen auf eine gemeinsame Lustreise machen, Scham durchbrechen und eine neue Welt schaffen, die sich von heteronormativen Vorstellungen befreit. Da queerAltern angefragt wurde nach möglichen Kandidatin:innen, nehmen wir an, dass auch ältere Menschen gecastet werden. Kontaktperson ist Leonor Diggelmann.
Anmeldung
KINO
Szene aus dem Film «Port Authority» (USA 2019): trans Frau Wye (Leyna Bloom).
Queere Wochen in Winterthur
Im Rahmen ihrer Filmreihe «Queer to Stay» zeigt das Winterthurer Kino Cameo noch bis Ende Februar mehrere ältere und neuere queere Filme. Im Fokus stehen, so das Kino Cameo, Filme von Regisseur:innen, welche festgefahrene Geschlechterrollen und Lebensentwürfe sowie die Heteronormativität und Machtstrukturen hinterfragen.
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Gut gelaunt im Sexclub: die Protagonist:innen des Films.
Uto goes Pink im Januar: «Shortbus»
Pink Apple zeigt am 26. Januar den Kult-Klassiker «Shortbus» von John Cameron (USA 2006), und zwar in einer restaurierten digitalen Fassung. Der Spielfilm erzählt Geschichten von Menschen, die sich alle im Club Shortbus treffen, um ihre sexuellen Freiheiten zu geniessen. Warnung: Die Sexszenen in diesem Film wurden nicht simuliert.
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Bedeutender Künstler: Franz Fedier.
Urner Farbenvirtuose
Der schwule Filmemacher Felice Zenoni hat fürs Schweizer Fernsehen zahlreiche Dokumentarfilme gedreht, insbesondere Porträts von prominenten Schweizer Persönlichkeiten wie Heidi Abel, Paul Burkhard oder Grock. Zenonis neuestes Werk läuft nun in den Kinos: ein Porträt des Urner Künstlers Franz Fedier, der im Februar 100 Jahre alt würde. Der heute fast vergessene Künstler war einer der bedeutendsten Vertreter der abstrakten Malerei in der Schweiz und dürfte mit dem Film nun eine Art Comeback haben. Empfehlenswert.
Rezension und Radiobeitrag
Eröffnungsfilm an den diesjährigen Solothurner Filmtagen: Patricia Highsmith.
«Loving Highsmith»
Patricia Highsmith (1921–1995) hat zurzeit Hochkonjunktur. So kamen 2021 ein Buch mit ihren Tages- und Notizbüchern heraus sowie «Ladies: Frühe Stories», ein Band mit frühen Erzählungen. Und nun startet in den Kinos der deutsch-schweizerische Dokfilm «Loving Highsmith» von Eva Vitija. Gemäss Swissfilms basiert der Film über Highsmith auf persönlichen Aufzeichnungen und Berichten ihrer Familie und Liebhaberinnen. Er soll ein neues Licht auf die berühmte Thriller-Autorin werfen, die ihre letzten Lebensjahre im Tessin verbrachte.
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Pink Apple: Aus «schwullesbisch» wird «queer»
Gegründet wurde Pink Apple 1997 in Frauenfeld mit dem Zusatz «schwullesbisch». Ein Jahr später fand das erste Filmfestival statt, 2000 wurde es auf Zürich ausgedehnt. Längst zeigt Pink Apple nicht mehr nur schwule und lesbische Filme, sondern auch Filme, die andere Aspekte der LGBTIQ-Community thematisieren. Und deshalb ist es längst fällig, sich als «Pink Apple – queeres Filmfestival» zu bezeichnen. Gleichzeitig gibt sich das Festival einen neuen Look, gestaltet von Lukas Mueller. Die 25. Ausgabe dauert vom 26. April bis 5. Mai in Zürich und vom 6. bis 8. Mai in Frauenfeld.
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STREAMING
Das El-Dorade-KaDeWe-Team: Joel Basman, Valerie Stoll, Lia von Blarer, Damian Thüre (v.l.).
Die goldenen Zwanzigerjahre in Berlin
Harry (Joel Basman) kehrt traumatisiert aus dem Ersten Weltkriegs zurück. Als Sohn der jüdischen Besitzerfamilie wird er Junior-Chef des legendären Berliner Kaufhauses des Westens («KaDeWe»). Seine Schwester Fritzi (Lia von Blarer) verliebt sich in die bereits verlobte «KaDeWe»-Verkäuferin Hedi (Valerie Stoll). Die Komplikationen der «Goldenen Zwanzigerjahre» nehmen ihren Lauf, die Wirtschaftskrise erschüttert das Land, und die Nationalsozialisten bringen sich in Stellung. «Ein Hit», schreibt queer.de. Und der Nollendorf-Blogger nennt die sechsteilige Mini-Serie ein «kleines, queeres Wunder». In seinem Queerkram-Podcast spricht er mit Regisseurin Julia von Heinz und Drehbuchautorin Sabine Steyer-Violet. Die Serie kann in der ARD-Mediathek angesehen werden:
ARD-Mediathek
Wollten nicht im Schatten von Ehemännern darben: Ottilie W. Roederstein (l.) und Elisabeth H. Winterhalter.
Ein aussergewöhnliches Leben: Ottilie W. Roederstein
Dem Kunsthaus Zürich ist es zu verdanken, dass man vor einem Jahr die Schweizer Künstlerin Ottilie W. Roederstein (1859–1937) wiederentdecken konnte. Es lohnt sich auch nach der Retrospektive, sich mit dieser hochspannenden Persönlichkeit zu beschäftigen. Nicht nur, weil Roederstein eine bedeutende Künstlerin war, sondern auch, weil sie ihr Leben mit der Gynäkologin Elisabeth H. Winterhalter (1856–1952) verbrachte. In einem bebilderten Vortrag – zu sehen auf Youtube – ordnet die Historikerin Bianca Walther das Paar in den Kontext ihrer Zeit ein, wie es den beiden trotz rigiden Moralvorstellungen des Bürgertums gelang, einen Platz für ihre Liebe zu finden und von der Gesellschaft anerkannt zu werden. Dabei rückt die Historikerin einige falsche Narrative ins rechte Licht.
Zum Vortrag
Kommen bald zu uns nach Hause: das neue Queer-as-Folks-Team.
Neues Jahr, neue Serien
Was demnächst an queerem Streaming-Power auf uns zukommt, hat das Magazin «Mannschaft» zusammengestellt. Da gibt es für die Liebhaber:innen aller Genres etwas. Gespannt dürfen wir sein auf die dritte Auflage des schwulen Serie-Klassikers «Queer as Folks», deren britisches Original immer noch in der Arte-Mediathek angesehen werden kann. Oder auf die Neufassung von «A League of Their Own» über die erste weibliche Baseball-Liga, 1993 ein Spielfilm mit Gena Davis, Madonna und Tom Hanks.

Mitglied dieser Basball-Liga der 1940er Jahre war Terry Donahue. Im berührenden Dokumentarfilm «A Secret Love» (USA 2020) erzählt sie zusammen mit ihrer Partnerin Pat Henschel die Geschichte ihrer grossen Liebe und ihrer späten Coming-outs.
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Perückenalarm: Rudolph Moshammer.
Rudolph Mooshammer: «Der käufliche König»
Was Fred Spillmann (1915–1986) für Basel und die Schweiz war, war Rudolph Moshammer (1940–2005) für München und Deutschland: beides hochbegabte Modeschöpfer und schillernde schwule Persönlichkeiten, um die sich Legenden ranken. RTL widmet nun Moshammer, der 2005 in seiner Wohnung erdrosselt wurde, einen neuen Dokumentarfilm, zu sehen im Streaming-Kanal RTL+. Über Moshammer gibt es bereits mehrere Dokumentarfilme sowie einen Spielfilm («Der grosse Rudolph», 2018).
Rezension
Intergeschlechtlich geboren, heute Model und Künstlerin: Marleen (l.).
«Männlich, weiblich, divers – Was ist das dritte Geschlecht»
In Deutschland und Österreich kann als Geschlechtseintrag neben «weiblich» und «männlich» auch «divers» angegeben werden. Die Schweiz hinkt diesbezüglich wieder einmal hintennach. Für eine umfassende Reportage begleiteten Spiegel-TV und Vox mehrere trans, nonbinäre und intergeschlechtliche Menschen mit der Kamera (zu sehen auf dem Streaming-Kanal RTL+; kann ohne Abo – mit Werbung – angesehen werden). Sie geben ehrliche Einblicke in ihre Leben und vermitteln eindrücklich, mit welchen gesellschaftlichen Vorurteilen und medizinischen Hindernissen sie zu kämpfen haben. In der mehrstündige Dokumentation kommen auch Eltern, Freund:innen und Expert:innen zur Sprache. Insgesamt ein tiefer Einblick in Welten, die vielen verschlossen sind.
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Spass am Familienleben: Axel Radisch (l.) und Paul Zacher.
Hörspielserie «Anton und Pepe»
Der Film- und Opernregisseur Axel Radisch hat zusammen mit seinem Mann Paul Zacher eine Hörspielserie konzipiert, die seit Oktober in der NDR-Mediathek zur Verfügung steht. Entstanden ist eine witzige queere Familienkomödie, in der Radisch und Zacher ihre Liebsten zu einer Patchwork-Familie verschmelzen.
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BÜCHER
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«Heartstopper: Boy trifft Boy»
Mit 16 hat die Autorin Alice Oseman angefangen, Romane zu schreiben, mit 19 erschien mit «Solitaire» ihr Debut. Vor sechs Jahren startete die heute 27-jährige Britin, die sich selbst als asexuell und aromantisch bezeichnet, mit dem Zeichnen und der Web-Comicreihe «Heartstopper». Im Mittelpunkt stehen die beiden Jungs Charlie und Nick und ihre erste grosse Liebe. Auf Englisch sind inzwischen vier Bände als Bücher erschienen, der erste Band liegt nun auf Deutsch vor: «Heartstopper: Boy trifft Boy». Demnächst soll bei Netflix eine Verfilmung des inzwischen erfolgreichsten Comic der Welt veröffentlicht werden.
Rezension
Experte für queere Übergänge: Mark Gevisser.
Die tagtäglichen Herausforderungen der Queers
Mark Gevisser nennt es «die pinke Linie», welche queere Menschen jeden Tag mehrmals überqueren, wenn sie aus ihrer queeren Blase in die heteronormative Welt eintauchen. Der südafrikanische Autor ortet die pinke Linie auch zwischen Staaten, in denen queere Menschen frei leben können und Staaten, in denen sie verfolgt werden. Und vor allem dient sie ihm zur Veranschaulichung der Auseinandersetzung mit den «weltweiten Kämpfen um sexuelle Selbstbestimmung und Geschlechteridentität» (Buch-Untertitel). Die NZZ zeigte sich beeindruckt von der Klugheit, mit der Gevisser diesen Diskurs führt und auch kritisch das Label «LGBT» hinterfragt.
Rezensionen
Ein erfülltes Leben als Single
Immer mehr Menschen leben allein, gewollt oder ungewollt. Mit dem Lebensgefühl des Alleinseins befasst sich Daniel Schreiber in seinem Essay «Allein». Nach mehreren Beziehungen lebt der schwule Autor selbst allein. Bei seinen Recherchen habe er sich die Frage gestellt, «ob man allein, also ohne eine romantische Beziehung, ein gutes, ein erfülltes Leben führen kann.» Ein Buch, das viele Denkanstösse liefert – nicht nur für Singles und Alleinlebende.
Rezension
Aus Verzweiflung Schriftstellerin geworden: Jamaica Kincaid.
Der Bruder auf Antigua
In ihrem autobiografischen Text «Mein Bruder» erzählt die aus Antigua stammende Jamaica Kincaid vom Aids-Tod ihres heimlich schwulen Bruders. Er hatte sich stets als Womanizer ausgegeben, denn in Antigua ist Homosexualität ein Unding. Kincaid lebt heute im US-Staat Vermont und sagt: «Ich bin aus Verzweiflung Schriftstellerin geworden, daher war mir, als ich erfuhr, dass mein Bruder sterben würde, der Akt, mich selbst zu retten, vertraut: Ich würde über ihn schreiben». Mit Erfolg: 1998 wurde ihr Buch in der Kategorie Nonfiction für den National Book Award nominiert. «Mein Bruder» erschien kürzlich in einer neuen, deutschsprachigen Übersetzung im AKI-Verlag.
Rezension
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Das Abenteuer von Isabel
Im Original heisst der Krimi «The Adventure of Isabel»; er ist nun als erstes Buch der kanadischen Autorin Candas Jane Dorsey unter dem Namen «Drag Cop» auf Deutsch erschienen – in Anspielung auf eine Dragqueen, die sich als Undercover-Cop ausgibt. «Ein aussergewöhnliches und lustiges Lesevergnügen», konstatiert der «Tages-Anzeiger», ausgemacht durch «schräge Ideen, einen umwerfenden Sinn für Humor, einen unverkrampften Umgang mit Sex ohne geschlechtsspezifische Präferenzen, ätzenden Sarkasmus und liebevollen Beziehungsgeschichten, alles gewürzt mit Gewalt und Leidenschaft.»

Rezension
Im Archiv der Träume
Auch das gibt es: häusliche Gewalt in einer lesbischen Beziehung. Eine solche beschreibt die US-amerikanische Autorin Carmen Maria Machado in ihren Memoiren «Das Archiv der Träume». Dabei spielt sie in kurzen Kapiteln gekonnt mit verschiedenen Genres. «Am Morgen kocht die Frau, die dich vor Angst halb krankgemacht hat, eine Kanne Kaffee, scherzt mir dir, küsst dich und krault dir herzallerliebst den Kopf», wird Machado in der NZZ zitiert, um die Wechselbäder ihrer Beziehung zu beschreiben. Trotz des heiklen Themas sei Machados Sprache so geschmeidig und verspielt, dass man sich über jede neue Seite freue.
Rezensionen
Schwedische Trouvaille
Sebastian ist ein androgyner Teenager, der Andreas liebt. Die beiden tun das, was viele Teenager tun: Sie blödeln herum, besuchen Clubs oder Partys. Doch Sebastian hat auch eine andere Seite. Als Frau verkleidet treibt er es mit Männern in Parks und Klappen. Der Erstlingsroman «Gib ihnen, wovon sie träumen» von Eli Levén (*1984) ist 2010 auf Schwedisch erschienen und liegt nun erstmals auf Deutsch vor. Die NZZ schreibt: «Eine Wucht. Eine Zumutung. Das Buch zwingt einen hinein in die aggressiv ausgelebte Identitäts-Not eines nicht genderkonformen Menschen.»

Der Roman wurde 2014 unter dem Titel «Something Must Break» verfilmt und kann bei Salzgeber gestreamt werden.
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Teenagerliebe: Ausschnitt aus dem Buchumschlag.
«Shuggie Bain»: Der schwule Junge und die alkoholkranke Mutter
Gemäss «Das Magazin» ist der Debütroman «Shuggie Bain» von Douglas Stuart etwas vom Besten, was man momentan lesen könnte. Der schwule schottische Autor und frühere Designer von Calvin Klein und Gap porträtiert darin seine alkoholkranke Mutter in einem heruntergekommenen Glasgow. Stuarts Alter Ego im Roman heisst Shuggie, der als schwuler Junge und Waise in einer homophoben Umgebung aufwächst. In einem ausführlichen Interview im «Magazin» schildert Stuart seine Jugendjahre, erzählt von seiner Arbeit als Top-Designer und seinen Schwierigkeiten mit der Modebranche. «Shuggie Bain» wurde 2020 mit dem Booker Prize ausgezeichnet und liegt auch auf Deutsch vor. Interview in «Das Magazin».
Rezension
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Im Paradies mit Hanya Yanagihura
Mit ihrem Roman «Ein wenig Leben» («A Little Life») hat die US-Schrftstellerin Hanya Yanagihara in den letzten Jahren Millionen von Menschen gerührt. Ihr neuer Roman «Zum Paradies» («To Paradise») liegt nun auf deutsch vor. Auf 900 Seiten sind es eigentlich drei Romane, und ein jeder spielt in einem anderen Jahrhundert – 1893, 1993 und 2093. Die Geschichten handeln von verschiedenen Männerbeziehungen in den verschiedenen Epochen. Dabei mutet nicht nur das Jahr 2093 utopisch an, sondern auch 1893. Die Autorin habe zuviel gewollt, meint die FAZ.
Rezensionen
DIES & DAS
«trans» ist neues Adjektiv im Duden
Rund 500 neue Wörter hat das deutsche Wörterbuch Duden Ende 2021 aufgenommen, darunter auch «trans». Das Adjektiv gilt gemäss Duden als Jargon-Begriff, der «in bestimmten, etwa durch Milieu oder Beruf geprägten Kreisen verwendet wird». Bereits seit 2017 ist auch das Adjektiv «queer» im Duden, und seit 2020 Wörter wie «transgender» oder «genderneutral».
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Geschlecht, Differenz und queere Einsprüche
Das Verhältnis der Geschlechter: ein Dauerthema. Der BiblioTalk der Zürcher Fachstelle für Gleichstellung widmet sich am 26. Januar diesem Thema und erörtert Fragen wie: Was bedeutet soziale Konstruktion des Geschlechts? Oder: Gibt es noch ein «Wir» der Frauen oder hat die Kategorie «Frau» ausgedient? Als Expertin wurde Sabine Hark eingeladen; sie ist Professorin für Geschlechterforschung an der Technischen Universität Berlin.
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MEDIENPICK
Schöner lesen: Doppelseite aus «Glitter» (Illustration: Natyada Tawonsris).
Gala der Literaturzeitschriften
Die fünfte Ausgabe von «Glitter» ist kürzlich erschienen; sie nennt sich «Die Gala der Literaturzeitschriften» und ist die einzige dieser Art mit ausschliesslich queeren Themen. Auf 130 Seiten enthält «Glitter» Kurzgeschichten, Romanauszüge, experimentelle Texte und Lyrik von über 80 Autor:innen – wunderschön illustriert von Natyada Tawonsris. Herausgeber ist der Verein Glitter, vertreten durch den Schaffhauser Schriftsteller Donat Blum.
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Die «Glöckner» von Ennenda: Jonas Riccardo Weber (l.) und Linus Hofmann sind streng religiös und Fans der SVP.
Queeres Blätterrauschen
Glarner Woche  Die «Glöckner» von Ennenda

Die Mannschaft  Queers leiden häufiger an Erkrankungen, körperlich wie seelisch

Sonntags-Blick-Magazin  Ewa Bender, Präsidentin Milchjugend – «Geborgen fühle ich mich, wenn ich sein darf, wie ich bin»

Republik  Der Ungerette – Vor 30 Jahren starb der Künstler Hervé Guivert an Aids

Der Tagesspiegel  «Das verrät alle Grundwerte der Frauenbewegung» – Grüne verurteilen transfeindliche Angriffe auf Tessa Ganserer

Work  Neue Regelung bei Geschlechtseintrag: Gewerkschafter und Transaktivist Siméon Seiler (44) freuts, dass sich die Zeiten ändern – «Mir war sofort klar: das bin ja ich!»

P.S.  Rückblick auf das Filmfestival Pink Apple 2021 – «Warum tust Du mir das an?»

Die Weltwoche  Serbiens lesbische Ministerpräsidentin – «Auf der Seite der Freiheit»

HAZ-Magazin  Peter Steiner – Ein Spätzünder macht seinen Weg

Basler Zeitung  Das linke Schweigen schadet den Betroffenen

Walliser Bote  Wallis ist Vorbild für LGBTQIAP+-Politik

Sonntags-Zeitung  Böse weisse Frauen – Der alte weisse Mann kann aufatmen

Cruiser  Toxische Männlichkeit und Homonegativität

Argus-Ausschnitte: Dank an Pink-Cross-Medienspiegel
SCHLUSSWORT
«Wenn man aus der Arbeiterklasse stammt, kaum Geld hat und nicht in einen Club hineinkann, was bedeutet dann schon die Queer-Community? Wir hören doch oft nur die Versionen der Mittelklasse in der Literatur.»
Stuart Douglas, Schriftsteller in «Das Magazin», 15. Janaur 2022
Verein queerAltern
c/o Caroline Bisang
Wasserschöpfi 15
8055 Zürich
info@queeraltern.ch
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